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Neue Dauerausstellung im Haus der Natur: „Eiszeit und Klima“

Foto: Simmerstatter

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Neue Dauerausstellung im Haus der Natur: „Eiszeit und Klima“

Die Ausstellung „Eiszeit und Klima“ gibt Einblicke in die letzten 2,6 Millionen Jahre der Erdgeschichte: Das Zeitalter der Eiszeit ist geprägt durch ein ständig wechselndes Klima, das unsere Landschaften sowie die Tier- und Pflanzenwelt immer wieder veränderte. Es ist auch das Zeitalter der Menschen, die sich aus Afrika kommend auf der Erde ausbreiteten. Ein Fokus der Ausstellung liegt auf den ausgestorbenen Großtieren, die in dieser Zeit bei uns heimisch waren. Sie zeigt Originalfunde wie etwa das Skelett eines Höhlenbären, Abformungen einer Wollhaarnashorn-Mumie und lebensgroße Modelle von Mammut, Riesenhirsch und Höhlenhyäne.

Im Laufe der Erdgeschichte gab es insgesamt sieben Eiszeitalter. In diesen Phasen waren große Teile der Erde vereist, zur Zeit der „Schneeballerde“ wahrscheinlich sogar die ganze Erde. Seit 2,6 Millionen Jahren befindet sich die Erde wieder in einem Eiszeitalter, das immer noch andauert. Das Klima dieses Zeitalters war jedoch nicht immer kalt. Es ist geprägt von starken Temperaturschwankungen mit ausgeprägten Kaltzeiten, den sogenannten Eiszeiten, und kürzeren Warmzeiten. In der Ausstellung werden diese Schwankungen in einer „Fieberkurve“ deutlich. Genau gegenüber veranschaulichen zwei Globen die Eisbedeckung und Vegetationszonen der Erde während der Kalt- und Warmzeiten. In Kaltzeiten überzogen mächtige Eisschichten weite Teile der Landmassen, der Meeresspiegel sank um bis zu 150 Meter ab. Es entstanden Landbrücken zwischen Kontinenten und Inseln. Ein Eisstromnetz bedeckte die Alpen, aus dem nur die höchsten Berge herausragten. Auf dem Höhepunkt der letzten Kaltzeit vor 20.000 Jahren waren 32% der Erdoberfläche von Eis bedeckt, zum Vergleich: heute sind es ca. 10%. In den Warmzeiten zogen sich die Eismassen bis auf die Pole und die höchsten Berggipfel zurück. Der Meeresspiegel stieg etwa auf das heutige Niveau. Die Wälder breiteten sich weltweit aus und Wärme liebende Tier- und Pflanzenarten. Woher man das alles weiß? Diese Daten sind in unserer Umwelt abgespeichert. In Bohrkernen aus der Tiefsee genauso wie in den kilometertiefen Eisschichten der Antarktis, in Seen, Mooren oder in den Tropfsteinen von Höhlen – überall wo sich Material schichtweise abgelagert hat, findet man Archive der Klimageschichte.

Die Eiszeit – Zeitalter der Menschen

Foto: Simmerstatter

In diesem kälter werdenden Klima am Anfang des Eiszeitalters tauchte der Mensch in der Erdgeschichte auf. Vor etwa 2,6 Millionen Jahren entwickelten sich in Afrika die ersten Menschenarten aus der Gattung Homo. Die schwankenden Klimaverhältnisse der Eiszeit schufen immer wieder Landbrücken und ermöglichten Wanderungen der Menschen hinaus aus Afrika nach Europa, Asien und schließlich Amerika. In der letzten Kaltzeit des Eiszeitalters waren vor allem zwei Menschenarten in Europa verbreitet: Homo neanderthalensis lebte in der Zeitspanne von 130.000 bis 30.000 Jahren vor heute und Homo sapiens, der moderne Mensch, entwickelte sich vor 300.000 Jahren in Afrika und wanderte vor ca. 40.000 Jahren nach Europa ein. Zwei Dioramen zeigen Szenen aus dem täglichen Leben der Neandertaler. Eine Frau säubert ein Fell, das sie zuvor durch Kauen weich gemacht hat, während ihr Kind einen Schädel eines Moschusochsen ins Lager schleppt. Ein Mann ist auf der Jagd. Homo neanderthalensis baute bereits zusammengesetzte Waffen und Geräte und fertigte als erster Mensch Kleidung an. Ein weiteres Diorama zeigt eine Szene aus dem Leben der modernen Menschen vor 25.000 Jahren an der Donau. Unweit davon wurde die Venus von Willendorf gefunden. Die Steinzeitjäger stellen einem Mammut nach. Im Hintergrund sieht man die Ausläufer der großen Eiszeitgletscher, die bis weit in das Alpenvorland vorstießen.

Das Eis formt die Landschaft

Noch vor 20.000 Jahren lag die Stadt Salzburg unter einer 1.000 Meter dicken Eisschicht begraben. Im Salzburger Becken vereinigten sich die Eisströme aus den Hohen Tauern und Kalkalpen und bildeten einen großen Vorlandgletscher. Ein Modell des Salzachgletschers zeigt die Situation zum Eis-Höchststand vor 25.000 Jahren. Per Knopfdruck lässt sich die Eisdecke anheben und die Landschaft wie wir sie heute kennen kommt zum Vorschein. Unter dem Gewicht von mehreren tausend Tonnen Eis pro Quadratmeter schürfte der Gletscher wie ein riesiger Hobel durch die Täler und formte die Landschaft um. Das Eis nahm dabei bis zu 3.000 Kubikmeter Gestein pro Quadratkilometer mit und zerkleinerte es zu Kies, Sand und Ton. Dieses Material wurde unter dem Gletscher, am Gletscherrand und am Gletscherende abgelagert – heute sichtbar als Grund-, Seiten-, oder Endmoränen. Ausgeschürfte Wannen und Becken füllten sich nach dem Rückzug der Gletscher mit Wasser. Zeugen dafür sind die heutigen Seen im Salzkammergut und im Alpenvorland. Mit welcher Kraft Gletscher die Landschaft formen, wird anhand der Filmaufnahmen vom Franz-Josef-Gletscher in Neuseeland deutlich. Der Zeitraffer zeigt die realen Bewegungen des Gletschers zwischen Jänner 2013 und Juni 2014.

Charaktertiere der Eiszeit

Ein Teil der Ausstellung beschäftigt sich mit der Großtierfauna der Eiszeit. Beinahe unvorstellbar scheint es aus heutiger Sicht, dass noch vor rund 18.000 Jahren Mammuts in Salzburg lebten. Oder dass in den Warmzeiten dieses Eiszeitalters Flusspferde genauso zur europäischen Fauna gehörten wie Elefanten, die in riesigen Herden durch die Landschaft streiften. Höhlenlöwen, die vor 60.00 Jahren in die Alpen eingewandert sind, jagten Auerochsen und Riesenhirsche. In der Ausstellung werden Originalfunde von Mammut, Riesenhirsch, Auerochse, Wisent und Elch ergänzt durch detaillierte, maßstabsgetreue Nachbildungen der Tiere. Man erfährt von der Lebensweise und Verbreitung der heute größtenteils ausgestorbenen Arten. Ein besonderes Highlight ist die Mumie eines Wollhaarnashorns aus Starunia. Es handelt sich hier um einen Gipsabguss des Tieres im Fundzustand von 1907. Direkt daneben die Abformung eines Stopfpräparats eines Wollhaarnashorns von einem weiteren Fund in Starunia 1929. Ein Touchscreen informiert über Details dieser ausgestorbenen Nashorn-Art und die einzigartigen Funde in Starunia in der heutigen Ukraine. In Höhlen sind Jahrtausende alte Knochen von Tieren erhalten. So finden sich dort noch heute Überreste der eiszeitlichen Fauna. Auch rund um Salzburg gibt es etliche dieser Höhlen, in denen Höhlenbären, Wölfe und Höhlenlöwen gefunden wurden. Aus den Sammlungsdepots wurde ein Schatz hervorgeholt und restauriert: ein Skelett eines Höhlenbären aus der Torrener Bärenhöhle im Hagengebirge von 1928. Es wurde aus den Knochen von insgesamt 90 Bären zusammengesetzt und ist ein absoluter Blickfang. Weitere Funde zeugen von der eiszeitlichen Fauna Salzburgs, die Bärenfalle im Tennengebirge ist mit ihren 2.100 Metern Seehöhe zudem die höchst gelegene Fundstelle des Höhlenlöwen in Österreich. Ein Blickfang ist die lebensechte Rekonstruktion des eiszeitlichen Höhlenlöwen.

Innenhof als neuer Ausstellungsraum

Ein katalanischer Künstler hat für die Ausstellung ein Mammut, einen Riesenhirsch und eine Höhlenhyäne in Lebensgröße angefertigt. Diese Tiere stehen im Innenhof des dritten Stockwerks, der nun als neuer Ausstellungsraum fungiert. Hier erfährt man Wissenswertes über Lebensweise oder mögliche Ursachen für das Aussterben dieser Tiere. Wer erinnert sich noch? Im Sommer wurde das 4,20 Meter lange, 3 Meter hohe und 800 Kilogramm schwere Mammut in einer spektakulären Aktion von einem Baukran über das Dach des Museums in den Innenhof gehievt. Auch dieses Ereignis wird den Besucher*innen der Ausstellung nicht vorenthalten.

Text: Frau Charlotte Kraus/Haus der Natur

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