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Florian Neuschwander

Interview

Florian Neuschwander

Profi-Läufer im Interview

Wie habt der Laufsport und du zueinander­gefunden – mehr durch Zufall?
In der Tat. Vor nunmehr 25 Jahren habe ich meiner Mum bei einem Forstlauf zuschauen wollen und bin letztendlich mit Skateschuhen und Jeans 6,4 Kilometer durch den Wald den Lauf mitgelaufen. Das hat Spaß gemacht. Ich habe mich für einen Zwei-Kilometer-Schülerlauf angemeldet. Ohne vorheriges Training habe ich gewonnen. Ein Trainer hat mich daraufhin gefragt, ob ich ins Leichtathletik-Training kommen wolle. So der Beginn.

Worin liegt der Reiz?
Im Facettenreichtum. In den ersten Jahren meiner Karriere bin ich fast ausschließlich auf der Bahn gelaufen: klassische Distanzen – 800 bis 10.000 Meter. Schnell habe ich erkannt, der Laufsport bietet sehr viel mehr: Naturerlebnis im Trail, am Berg, Treppenlauf, Hindernislauf, Ultralauf, Etappenlauf. Im Prinzip kann selbst ein Every-Day-Runner jeden Tag etwas Neues erleben. Ich mag die Challenge, eine neue Strecke. Das ist Abendteuer und macht Spaß!

Gewiss erinnerst du dich an dein erstes Rennen. Erzähle!
Der besagte Zwei-Kilometer-Schülerlauf: Ich bin mit meiner Mum dort hin. Wir sind spät dran gewesen. Im letzten Moment habe ich noch eine Startnummer bekommen, sie fix an meiner Jacke befestigt und habe gerade noch so zum Start an der Linie gestanden. Ich bin etwas hinterhergerannt, habe mich schnell nach vorne gearbeitet. Kurz vor dem Ziel bin ich unter den Top-Drei gewesen. Den Zielbogen im Blick habe ich zum Sprint angesetzt. Auf den finalen 200 Metern habe ich den Ersten übersprinten können. Erster Lauf, erster Sieg: Genial.

Seither läufst du von Erfolg zu Erfolg – willst du dich stets selbst übertreffen?
Nein! Ich laufe aus Leidenschaft. Ich will gewiss viel erreichen, doch ohne Stress! Wenn es läuft, dann läuft es. Und wenn es ‘mal nicht läuft, dann ist das auch in Ordnung. Ich ruhe mich aus, bis es eben wieder besser läuft. So geht das.

Was hat dich motiviert, auf dem Laufband einen Rekord über 100 Kilometer aufzustellen? Warum ausgerechnet auf dem Laufband?
Ich laufe irgendwie sehr gerne auf dem Laufband. Schon immer. Jetzt, wo ich mit der Familie in den Bergen im schönen Chiemgau wohne, kann ich im Winter keinen Tempolauf auf der Gerade absolvieren. Das gibt das Wetter nicht her. Oft schneit es. Es ist kalt. Also muss ich meinen Tempo-Langstrecken-Lauf eben auf dem Laufband absolvieren. Das macht mir immer viel Spaß. So ist es gekommen, dass ich Anfang 2020 zum ersten Mal einen Weltrekord über 50 Kilometer auf dem Laufband aufgestellt habe − in zwei Stunden, 57 Minuten und 25 Sekunden. Dieser ist bald mehrmals gebrochen worden. Also habe ich mir gedacht: Die 100 Kilometer schaffe ich auf jeden Fall. Ich muss nur eine gute Zeit hinballern. Im Januar dieses Jahres hat es geklappt und seitdem halte ich den Weltrekord auf dem Band mit sechs Stunden, 26 Minuten und acht Sekunden.

Sechseinhalb Stunden ein und dasselbe Bild vor Augen – zumindest eine tolle Kulisse?
Ich habe das Laufband-Event in der Turnhalle 17 in Traunstein über die Bühne gebracht. Mein Sponsor Garmin und der Laufbandhersteller HP Cosmos aus Nußdorf haben mich tatkräftig unterstützt. Der Lauf ist live auf der Internetseite von Garmin übertragen worden. Drei Bildschirme haben vor mir gestanden. Leute und Bekannte haben mir live Nachrichten zukommen lassen und auf ZWIFT (Anmerkung der Redaktion: Das ist eine virtuelle Plattform für Radler und Läufer.) sind Läufer live von zu Hause aus auf ihrem Band mitlaufen. Keine Spur von Langeweile.

Deine liebste Laufkulisse, dein liebster Untergrund?
Ich laufe alles. Wenn das Wetter schlecht ist, geht es aufs Laufband. Bei gutem Wetter bin ich natürlich draußen unterwegs. Trail, Berg, Straße − ganz egal, Tempo – egal, Höhenmeter − egal. Hauptsache laufen! Ich mag alles.

Wie häufig trainierst du?
Ich trainiere eigentlich jeden Tag. Nur wenn ich mich müde fühle, lege ich zwei, drei Ruhetage ein. Ich höre ganz auf den Körper.

Just Running?
Nein. Auch Indoor-Cycling auf ZWIFT oder wandern. Im Winter bin ich auf Skiern unterwegs: Skitour, Skilanglauf.

Wie geht es weiter? Hast du bereits ein neues Ziel vor Augen?
Im Herbst versuche ich, meine 100-Kilometer-Laufband-Weltrekord-Zeit auf der Straße zu laufen, um mich für die Weltmeisterschaft 2022 (100 Kilometer) zu qualifizieren.

Zur Person: Florian Neuschwander, 39 Jahre alt
Wohnort: Inzell
Beruf: Profisportler (Online Shop Run with the Flow)
Familie: Mit meiner Frau eine gemeinsame Tochter
Hobbys: Ganz klar laufen, Zeit mit der Familie verbringen – am Berg oder am See, mit Netflix relaxen

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