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Der Jennerstier

© Marco Kost

Berchtesgaden

Der Jennerstier

Auch wenn es die im unteren Teil bewaldeten und darüber in steile Felwände übergehenden Berge um Berchtesgaden nicht erahnen lassen, ist der Berchtesgadener Talkessel der Hotspot für Skibergsteigen bzw. Skitouren in Deutschland. Seit langem gehen die Einheimischen mit Fellen unter den Skiern auf die Berge.

So war der Jenner, bevor die Jennerseilbahn vor 60 Jahren gebaut wurde, schon ein beliebtes Ziel im Winter für die Skibergsteiger. Heute scheint es, als erobern sich die Skitourengeher ihr altes Revier wieder zurück. Der vor etwa 15 Jahren einsetzende Trend des Pistentourengehens macht dies möglich. An manchen Tagen erscheint es, als wären am Jenner mehr Skifahrer am Pistenrand bergauf unterwegs als bergab. Gleiches gilt für die anderen Skigebiete um Berchtesgaden, so sind an schönen Wintertagen am Rossfeld, Götschen oder Hochschwarzeck die Skitourengeher in Scharen unterwegs.

Angefangen hat der ganze Trend mit „leistungsorientierten“ Skibergsteigern. Sie nutzten die Pisten abends nach Pistenschluss zum Training für ihre Skitouren im freien Gelände am Wochenende. Irgendwann übertrug sich der Trend auch auf den Tag. Auf den ersten Blick erscheinen Touren im Pistenumfeld gefahrlos. Mit Blick auf die Lawinengefahr trifft dies auch meist zu, aber es entstanden andere Gefahren. Vor allem wenn man am Pistenrand – oder gar mitten in der Piste – aufsteigt, besteht eine erhöhte Gefahr von Kollisionen von aufsteigenden mit abfahrenden Skifahren. Oder abends nach Pistenschluss durch die Pistenpräparierung mit Pistenraupen. Diese Gefahr wird dadurch verstärkt, dass die Präparierung der Pisten häufig an bis zu 500 m langen Stahlseilen stattfindet. Diese Seile stellen eine große
Gefahr dar, da man sie in der Nacht nicht sehen kann. Deshalb sollte nach Pistenschluss auch nur im Rahmen der „Tourenabende“ aufgestiegen werden und in keinem Fall, wenn die Pisten präpariert werden!
Der Alpenverein hat deshalb gemeinsam mit den Liftbetreibern Verhaltensregeln für „Skitouren auf Pisten“ herausgebracht und in jedem Skigebiet spezielle Tourenabende für Skitourengeher ausgehandelt. Diese Regeln sind auf den Internetseiten des Deutschen Alpenvereins veröffentlicht. Werden diese Regeln befolgt, steht einem Einstieg ins Skitourengehen nichts im Weg. Hierfür eignen sich die Aufstiege auf den Toten Mann im Hochschwarzeck und das Rossfeld in der Oberau ideal, da in beiden Gebieten extra für die Tourengeher ausgewiesene Aufstiegsspuren außerhalb des Pistenbereichs zur Verfügung stehen.
Hat man dann erste Erfahrungen mit Skitouren gemacht, dann kann man sich an das eigentliche Skibergsteigen im freien, ungesicherten Gelände trauen. Hier sollte aber zuvor noch ein Lawinen-Sicherheitskurs besucht werden, in dem das Verhalten zur Vermeidung von Lawinengefahren bzw. Verhalten bei Lawinenunfällen geschult wird. So steht einem die ganze Vielfalt der Tourenziele in den Berchtesgadener Alpen zur Verfügung und diese sind sehr vielseitig. Sie reichen von einer kurzen Tour über 500 Höhenmeter über die Eckerleite oberhalb der Rossfeldstraße zum Putschellerhaus bis hin zur Königstour im Frühjahr, dem Watzmann-Hockeck mit 2.000 Höhenmeter. Daneben locken noch bekannte Tourenziele wie die Hochalm mit ihren weiten welligen Hängen, das Watzmannkar zwischen dem großen Watzmann und kleinen Watzmann, die sog. Täler aus dem Klausbachtal und der sehr anspruchsvolle Aufstieg und Abfahrt über das Alpeltal zum Hohen Göll. Im Frühjahr bieten die Berchtesgadener Alpen aber auch eine der bekanntesten Mehrtagestouren der Ostalpen, die Große Reibn.

Sie beginnt in Königssee und führt nach einem Anstieg über die Pisten des Jenners zum Schneibstein, um von dort in einem weiten Bogen durch das einsame, nur im Winter gut zugängliche Hagengebirge, vorbei am Kahlersberg, Jägerbrunntrog und den Teufelshörnern, hinweg über den Funtenseeautern zum Funtensee und dem Kärlingerhaus zu führen. Hier steht im Winter ein Raum für Skibergsteiger zur Übernachtung (Selbstversorgung) zur Verfügung.

Am nächsten Tag wird zum Ingolstädter Haus und an den Flanken des Hundstods entlang zum oberen Ende des Loferer Seilergrabens aufgestiegen. Durch diesen führt eine Steilabfahrt hinab in das hintere Wimbachtal. Je nach Schneelage kann durch dieses bis zur Wimbachbrücke abgefahren werden. Meist muss man aber in der Mitte des Tals die Skier abschnallen und sie am Rücken das letzte Stück ins Tal hinabtragen. Nach Beendigung der Groß‘n Reib‘n (Hochdeutsch: Große Runde) hat man 50 km und 4.000 Höhenmeter hinter sich gebracht, dies bleibt natürlich nur erfahrenen und konditionsstarken Skibergsteigern überlassen.

Aber es muss nicht gleich die Große Reib’n sein, um die Schönheit der Berchtesgadener Berge im Winter zu erleben. Es gibt wie erwähnt auch viele Möglichkeiten für Skitoureneinsteiger, ihre ersten Spuren in den frischen Pulverschnee zu ziehen.

14. Jennerstier in Aufbruchsstimmung:

2 Bewerbe und große Zukunftspläne
Schon zum 14. Mal in Folge wird im Februar 2019 am Jenner hoch über dem Königssee ein Klassiker der Skibergsteiger-Szene stattfinden. Der Jennerstier, veranstaltet von der DAV Sektion Berchtesgaden, ist bei Tourengehern weit über die Landesgrenzen hinaus als Top-Veranstaltung bekannt.
Der bekannte Bewerb für Skibergsteiger, die es auch gern mal flotter haben wollen, hat besonderen Charakter. Die alpine und schwierige Streckenführung und beeindruckende Ausblicke zu Watzmann und ins steinerne Meer locken alljährlich immer mehr Teilnehmer aus dem In- und Ausland.

Im kommenden Winter wurde deshalb vom Alpenverein in München auch die Deutsche Meisterschaft im Skibergsteigen nach Berchtesgaden vergeben, und zwar gleich in zweifacher Ausführung.
Den Auftakt macht am Freitag, 15.02. die Meisterschaft im Sprintbewerb am Gutshof am Obersalzberg. Dieser „Ableger“ des klassischen Jennerstiers wurde schon im letzten Winter mit großem Erfolg abgehalten. Wohl auch deshalb wird 2019 nicht nur die Deutsche, sondern auch die Österreichische Meisterschaft im Rahmen des für Publikum super spannenden Bewerbs ausgetragen. In einem speziellen Ausscheidungsmodus sind die Rennläufer nämlich praktisch durchgehend sichtbar, zudem ist die Disziplin Sprint ein Garant für spannende Duelle und überraschende Entwicklungen.

Am Sonntag, 17.02. steigt dann schließlich im oberen Teil des Jenners die Rennparty für die härtesten Skibergsteiger: über 1.200 Höhenmeter mit mehreren Anstiegen und Abfahrten rittern die besten Deutschen Tourensportler um den Meistertitel, der von Lokalmatador Toni Palzer verteidigt werden wird. Besonders interessant für Zuschauer ist, dass der untere Teil der Jennerbahn in Betrieb sein wird und es damit wunderbar einfach ist, die Sportler anzufeuern. Es zahlt sich aus, direkt an einer Rennstrecke eines solchen Bewerbs zu stehen, es ist für den durchschnittlichen Tourengeher nämlich fast unglaublich, welches Tempo dabei gegangen wird.

Der kommende Winter ist also für die Jennerstier-Organisatoren dicht gepackt. Der Aufschwung und die Energie sind dabei fast greifbar. Der aufwändige Neubau der Jennerbahn ist durchaus auch Motor und Motivation für die Verantwortlichen vor Ort, Berchtesgaden aus alpinistischer Sicht noch besser zu etablieren. Die Aufnahme in den Kreis des SKIMO Alpencups und die erfolgreiche Homologierung durch den internationalen Verband ISMF zeichnet den Weg des Jennerstiers in die Zukunft vor, den OK-Präsident Präsident Richard Lenz so formuliert:

„Unser Stier bietet alles, was das Skibergsteiger-Herz begehrt. Wir arbeiten daran, ihn auch international bekannter zu machen und dadurch das alpine Profil unserer Region zu unterstreichen. Es ist geplant, in den kommenden Jahren auch internationale Veranstaltungen an den Jenner zu holen. Für diesen Winter ist alles bestens auf Schiene und wir werden bestimmt den besten Stier aller Zeiten zeigen können!“
Die Anmeldung zum Jennerstier 2019 ist jedenfalls bereits unter www.jennerstier.de geöffnet. Fürs Training ist noch einige Zeit übrig, und wer den Trainingsrückstand nicht aufholen kann oder will, ist als Zuschauer Mitte Februar herzlich eingeladen.

 

DAV Sektion Berchtesgaden e.V.
Watzmannstr. 4
83483 Bischofswiesen
info@jennerstier.de
www.jennerstier.de

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