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Balance auf dem Gaspedal – Edelbronx’l Zündkatzen

©-Edelboy'l-Zündkatzen

Reportage

Balance auf dem Gaspedal – Edelbronx’l Zündkatzen

Es ist die Entschleunigung, wenn sie beschleunigen, die die Zündkatzen fasziniert. Mit dem Mofa düsen Katz Graf, Jule Seibel, Lisa Kurz und Mona Dech durch die Provinz – mit 25 Stundenkilometer. „Die Füße im Feuer, die Nase im Wind – auf unseren Mofas lassen wir die Seele baumeln“, schwärmt Katz. „Auf dem Mofa fühle ich mich, als könnte ich die Welt erobern“, lacht sie. „Mofafahren macht unglaublich viel Spaß.“

Viele Mädchen lieben neue Mode, die Zündkatzen lieben alte Mofas. Sie fahren eine Garelli, eine Puch, eine Hercules, eine Zündapp, und eine DKW – alles Oldtimer. „Jedes Mofa ist einzigartig und hat so seine liebenswerten Macken.“ Katz‘ Augen leuchten.
„Unsere Liebe zu Mofas haben wir alle sehr spät entdeckt“, erinnert sie sich. 2009 hätten einige von ihren an ihrem ersten Mofarennen teilgenommen. „Seit jeher tragen wir das Mofa-Virus in uns, bekommen es nicht los“, lachen die Vier. „Wir fahren, schrauben und fachsimpeln – herrlich!“

Die Edelbronx’l Zündkatzen e. V. sind ein eingetragener Verein. 2013 haben sich mofa-begeisterte Mädchen zusammengtan und im Zuge der „Mofaoympics“ in Ihrem Heimatdorf Hauenstein (Rheinland-Pfalz) den Verein gegründet. „Wir sind der erste Mofafrauenclub Deutschlands“, darauf sind die Zündkatzen stolz. Mittlerweile zählt der Verein Edelbronx’l Zündkatzen e. V. neun Mädchen – alle zwischen 18 und 43 Jahren alt.

Bei den Mofalympics – „ein nicht allzu ernster Wettkampf“, schiebt Katz ein – messen sich die Teilnehmer in den Disziplinen Drag Race, Hillclimb und zwei Stunden Geländecross. Wer mitmacht, brauche Mut und Durchhaltevermögen. Und ganz wichtig: „Spaß an der Sache“, betont Katz. Die vier Mädchen sind gemeinsam ins Rennen gegangen.

Es riecht nach Öl. „1:50 Mischung – dieser Duft! Besser gehts nicht!“, schwärmt Katz. „Mischung im Blut“, bekräftigen ihre Freundinnen. Die Zündkatzen schrauben selbst an ihren Mofas herum. „Wir lernen stetig dazu“, erklärt Katz. Jede Zündkatze habe ein anderes Spezialgebiet. „Die eine ist die schnellste Zündkerzenwechslerin, die andere kennt sich mit der Schieblehre aus, mit dem Reifenwechsel oder der Mofa-Einstellung“ Die Zündkatzen helfen sich untereinander.

„Schrauben ja, Frisieren nein!“ Das steht fest. „Mit frisierten Mopeds könnten wir nicht im Straßenverkehr fahren, ohne ständig Probleme zu bekommen“, erklären sie. Nicht einmal das „Rennmofa“ – eine Garelli Duoped – sei aufgemotzt. Die Mopeds der Zündkatzen fahren nicht schneller als 25 Stundenkilometer. Doch bei der Garelli Duoped hätten sie den Tank einer Hercules Prima 4 eingebaut. Unfrisierte Mofas, frisierte Mädchen: Klar da ist eine flotte Friese ein Muss – und die passende Weste. „Der Etiquette gemäß aus Jeans“, betont Katz. Auf ihren Kutten – Katz sagt zur Weste Kutte -haben sie „natürlich Backpatches“ angebracht. Die Mädls vergessen nie ihren Helm. Die sind auch cool. Jule trägt als Präsidentin einen Katzenhelm samt Ohren.

Die Zündkatzen sehen ein bisschen verrückt aus. Und sind es auch. Obendrein sind sie lustig, herzlich – einfach zum gerne haben.
Die Katzen unternehmen Ausfahrten, sind auf Festen und Rennen dabei. „Man trifft uns auf dem Red Bull Alpenbrevet − das ist ein Rennen über 120 Kilometer über vier Alpenpässe oder auf dem Ötztal Moped Marathon teil, bei dem es auf 250 Kilometern über sechs Alpenpässe geht. Wenn sich die Zündkatzen treffen quatschen sie über anstehende Ereignisse, wie die MoMoTo 2021 – eine Benefiz-Mofafahrt von Flensburg nach Garmisch. Die Tour findet alle zwei Jahre statt. Die Mädchen diskutieren auch über Klimapolitik. Die Umwelt läge ihnen am Herzen. „Die Liebe zu Mofas und die Liebe zur Natur schließen sich einander nicht aus“, stellt Katz klar. Genau, wie Ent- und Beschleunigung einander nicht ausschließen.

Die Zündkatzen und ihre Ideen

2018 sammelten sie im Rahmen der deutschlandweiten Aktion #liftupstella 25.000 Euro für einen Rollstuhllift.
2018 brachten sie ein Kochbuch heraus – ein kulinarisches Roadbuch. „Im Buch finden sich Vor-, Haupt- und Nachspeisen. Vom Alpenbrevet über die Katzenkeschdesuppe bis zur Bremen Classic Motorshow gibt es Geschichte und Rezepte für alle Lebenslagen und jeden Geschmack. Von paleo bis vegan ist für jeden etwas dabei – sogar eine Anleitung zum Bierbrauen“, so der Verein.

www.edelbronxlszuendkatzen.jimdofree.com

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